JAHRESLOSUNG 2027 · BILDBETRACHTUNG · VATER TRÄGT SOHN
Getragen, auch wenn der Weg noch offen ist – Bildbetrachtung Jahreslosung 2027
Ein Vater trägt seinen Sohn durch einen Wald. Auf dem ursprünglichen Postermotiv sehen wir die beiden von hinten. Wohin ihr Weg führt, bleibt offen. Der Junge sitzt auf den Schultern, seine Hände liegen in denen des Vaters. Beide tragen einen Rucksack. Über der Szene steht in kräftigem Rot: „Fürchte dich nicht.“
Edition Katzenstein hat Bildmotive und Meditationen zur Jahreslosung 2027 gestaltet. Die folgenden Bilder führen den Gedanken dieses Motivs weiter. Sie zeigen, wie unterschiedlich Nähe aussehen kann: Ein Kind braucht eine Hand beim Gehen, ein aufmerksames Gegenüber, einen Platz zum Ausruhen. In solchen Erfahrungen lässt sich etwas von dem verstehen, was Gottes Zusage für unser Leben bedeutet.
Zwei Menschen, ein gemeinsamer Weg
Der Junge muss den Weg auf dem Poster gerade nicht aus eigener Kraft bewältigen. Der Vater setzt einen Fuß vor den anderen und trägt dabei das Gewicht seines Sohnes. Von den Schultern aus kann das Kind weiter sehen. Es darf neugierig sein, während ein anderer auf den nächsten Schritt achtet.
Auch die Rucksäcke fallen auf. Was darin steckt, wissen wir nicht. Sie lassen sich als Hinweis auf das lesen, was Menschen auf ihren Wegen mitnehmen: Erfahrungen, Erwartungen, Aufgaben, vielleicht eine Sorge, die schon länger drückt. Der kleine Rucksack bleibt beim Kind, auch während es getragen wird. Hilfe anzunehmen bedeutet offenbar nicht, die eigene Geschichte ablegen zu müssen.
Die Rückenansicht des ursprünglichen Motivs lässt Raum für den eigenen Blick. Wer täglich für andere sorgt, erkennt sich vielleicht zuerst im Vater. Wer erschöpft ist, schaut auf das Kind. Beides gehört zu unserem Leben. Auch Menschen, auf die sich viele verlassen, brauchen jemanden, bei dem sie sich anlehnen können.
01 · FÜRCHTE
Eine Hand für den nächsten Schritt
Die Wurzel bleibt im Weg. Der Vater hilft dem Jungen darüber.
Der Junge hebt seinen himbeerroten Gummistiefel über die Wurzel. Für den Vater ist das ein kleiner Schritt, für das Kind verlangt er Aufmerksamkeit. Der Vater schaut hin und hält seine Hand. Er nimmt wahr, was sein Sohn gerade braucht.
Manche Sorge sieht von außen klein aus. Wer sie trägt, erlebt sie anders. Ein bevorstehendes Gespräch, eine Untersuchung, ein ungeklärter Streit können einen ganzen Tag überschatten. Der Zuspruch der Jahreslosung lässt dafür Raum. Das Wort „denn“ gibt der Ermutigung einen Grund: Gott sagt seine Gegenwart zu. Mit dieser Zusage können wir den nächsten Schritt versuchen, auch wenn die Knie noch weich sind.
Welcher nächste Schritt fällt mir schwer – und wen könnte ich um Begleitung bitten?
02 · DICH
Der Vater geht in die Knie
Für einen Augenblick gehört dem Kind die ganze Aufmerksamkeit.
Die beiden haben angehalten. Der Vater beugt sich zum Jungen hinunter und legt ihm die Hände an die Schultern. Ihre Blicke treffen sich. Was sie besprechen, erzählt das Bild nicht. Sichtbar ist, dass der Vater sich Zeit nimmt. Der Junge muss nicht zu ihm hinaufrufen.
Das groß geschriebene „Dich“ lässt uns beim Angesprochenwerden verweilen. Ursprünglich gilt das „du“ in Jesaja 41 dem Volk Israel. Aus dieser Geschichte heraus erreicht der Zuspruch auch die Menschen, die ihn heute hören. Im Gebet dürfen wir mit dem vor Gott kommen, was uns persönlich beschäftigt, selbst wenn wir es noch nicht gut erklären können.
Wem möchte ich heute so zuhören, dass er sich wirklich wahrgenommen fühlt?
03 · NICHT
Sich tragen lassen
Die Stiefel hängen frei. Für diese Wegstrecke übernimmt der Vater das Tragen.
Nun sitzt der Junge wieder auf den Schultern. Er wendet sich zum Vater, der zu ihm hinaufschaut. Beide lächeln. Das Kind scheint sich mit seinem Gewicht selbstverständlich anvertrauen zu können. Es muss sich seinen Platz nicht erst verdienen.
Erwachsenen fällt das oft schwerer. Wir möchten niemandem zur Last fallen und sagen lieber, es gehe schon irgendwie. Dabei kann es viel Mut kosten, die eigene Grenze auszusprechen. Wer Unterstützung annimmt, gibt einem anderen die Möglichkeit, für ihn da zu sein.
Das betonte „Nicht“ gehört zum ganzen Zuspruch. Wer weiterhin Angst empfindet, hat deshalb nicht schlecht geglaubt. Auch mit Angst dürfen wir Gott vertrauen, um Hilfe bitten und den Weg in kleinen Schritten fortsetzen.
Wo sage ich „Es geht schon“, obwohl ich Hilfe gebrauchen könnte?
Was dieses Vaterbild sagen kann
Der Vater ist ein Bild für Gottes Nähe. Der Vergleich lebt von seinen Gesten: Er hält eine Hand, hört zu und trägt sein Kind. Menschliche Eltern bleiben dabei begrenzt. Sie werden müde, machen Fehler und können ihre Kinder nicht vor jedem Schmerz bewahren.
Manche Menschen verbinden mit ihrem eigenen Vater wenig Geborgenheit. Auch diese Erfahrung hat in einer Bildbetrachtung ihren Platz. Niemand muss seine Geschichte schönreden, um Gottes Zusage hören zu dürfen. Das Motiv kann die Sehnsucht nach einer verlässlichen Nähe ausdrücken, die im eigenen Leben vielleicht gefehlt hat.
Eine Weile sitzen bleiben
Die beiden rasten. Vor ihnen liegt der Weg im Licht.
Der Junge sitzt dicht beim Vater, die Stiefel reichen noch nicht bis zum Boden. Der Vater zeigt in den Wald. Vielleicht hat er etwas entdeckt. Vielleicht besprechen sie, wo es weitergeht. Jedenfalls müssen sie nicht sofort aufbrechen.
Solche Pausen brauchen auch wir. Wer viel Verantwortung trägt, übersieht leicht die eigene Müdigkeit. Ein Spaziergang, ein stiller Moment oder ein Gespräch ohne Zeitdruck können helfen, wieder klarer zu sehen. Gottes Gegenwart begleitet auch die Stunden, in denen wir wenig zustande bringen.
Wann habe ich zuletzt geruht, ohne die nächste Aufgabe schon im Kopf zu erledigen?
An der offenen Heckklappe
Nach dem Waldweg wartet eine kleine Mahlzeit. Auch der jüngere Bruder möchte etwas bekommen.
Der Vater reicht seinem Sohn ein belegtes Brot. Im Kofferraum stehen die Sachen für die Pause bereit. Die Szene ist alltäglich, und gerade deshalb gehört sie in diese Bildfolge: Kinder brauchen nach einem Ausflug jemanden, der auch an ihren Hunger denkt.
Beim Betrachten lässt sich darin ein Hinweis auf gelebte Fürsorge finden. Ein stärkendes Wort kann guttun; manchmal braucht ein Mensch zusätzlich eine Mahlzeit, eine Fahrt zum Arzt oder Hilfe bei einer liegen gebliebenen Arbeit. Wer Gottes Nähe weitergeben möchte, darf sich fragen, was dem anderen heute tatsächlich hilft.
Für wen könnte ich heute etwas vorbereiten, teilen oder übernehmen?






